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109.000 IT-Stellen unbesetzt: Deutschlands Tech-Branche vor großen Herausforderungen

Der IT-Fachkräftemangel entspannt sich leicht, doch KI könnte neue Engpässe schaffen. Was bedeutet das für die Zukunft?

Robin Böhm
14. August 2025
5 min read
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109.000 IT-Stellen unbesetzt: Deutschlands Tech-Branche vor großen Herausforderungen

109.000 IT-Stellen unbesetzt: Deutschlands Tech-Branche kämpft mit Fachkräftelücke

TL;DR: Deutschland fehlen aktuell 109.000 IT-Fachkräfte – ein Rückgang gegenüber 149.000 vor zwei Jahren. Trotz Entspannung erwarten 79% der Unternehmen eine Verschärfung. KI könnte dabei Fluch und Segen zugleich sein.

Der deutsche IT-Arbeitsmarkt sendet gemischte Signale: Laut der aktuellen Bitkom-Studie vom August 2025 sind derzeit 109.000 IT-Stellen unbesetzt – das sind 40.000 weniger als noch vor zwei Jahren, als der Mangel mit 149.000 offenen Positionen seinen Höhepunkt erreichte.

Die wichtigsten Fakten

  • 📊 Aktueller Stand: 109.000 unbesetzte IT-Stellen (vs. 149.000 in 2023)
  • ⏱️ Vakanzzeit: Durchschnittlich 7,7 Monate bleiben Stellen unbesetzt
  • 🎯 Unternehmenswahrnehmung: 85% beklagen weiterhin einen Mangel
  • 👥 Quereinsteiger: 25% der IT-Jobs gehen an Branchenfremde
  • 📈 Prognose: 79% erwarten künftige Verschärfung des Mangels

Was ist neu?

Die konjunkturelle Abkühlung und geopolitische Unsicherheiten haben zu einer vorübergehenden Entspannung geführt. Sechs Prozent der befragten Unternehmen mussten sogar IT-Fachkräfte entlassen – ein ungewöhnliches Bild nach Jahren des Wachstums.

Die Gründe im Detail

Konjunkturelle Faktoren

  • Einstellungsstopps aufgrund von Inflation und Rezession
  • Zurückhaltung bei Neuinvestitionen
  • Unsicherheit über wirtschaftliche Entwicklung

Strukturelle Herausforderungen

  • Demografischer Wandel: Mehr Rentner als Berufseinsteiger
  • Unzureichende IT-Ausbildungskapazitäten
  • Wachsender Digitalisierungsbedarf in allen Branchen
  • Mangelnde Attraktivität für internationale Fachkräfte

KI als Game Changer – in beide Richtungen

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz bleibt ambivalent:

42% erwarten zusätzlichen Bedarf durch KI

  • Neue Rollen: KI-Ingenieure, Prompt Engineers, ML-Ops Specialists
  • Höhere Anforderungen an bestehende Positionen
  • Bedarf an Ethik-Experten und KI-Governance

27% befürchten Stellenabbau

  • Automatisierung von Routine-Coding
  • KI-generierter Code (bei Amazon bereits 30%)
  • Weniger Bedarf für Junior-Positionen

Die Realität: Transformation statt Substitution

Was Studien zeigen:

  • 92% der IT-Jobs werden sich durch KI verändern
  • Formale Abschlüsse verlieren an Bedeutung
  • Praktische KI-Kompetenzen werden zum Must-have
  • Continuous Learning wird zur Überlebensstrategie

Vergleich mit dem internationalen Markt

LandOffene IT-StellenTrendBesonderheit
Deutschland109.000Konjunktur-bedingte Entspannung
USA~1.5 MioLayoffs vs. Skill-Gap
UK178.000Post-Brexit Herausforderungen
Indien400.000Trotz IT-Hochburg

Was bedeutet das für die Praxis?

Für Fachkräfte

  • Verhandlungsposition: Weiterhin stark, besonders mit KI-Skills
  • Weiterbildung: KI-Kompetenzen sind der neue Gold-Standard
  • Flexibilität: Remote-Work bleibt wichtiger Faktor
  • Spezialisierung: Nischen-Expertise zahlt sich aus

Für Unternehmen

  • Recruiting: Verstärkt auf Quereinsteiger setzen
  • Retention: Bestehende Mitarbeiter halten wird kritisch
  • Ausbildung: In eigene Talentpipelines investieren
  • Internationale Rekrutierung: Visa-Prozesse optimieren

Für die Politik

  • Bildung: IT-Curricula modernisieren
  • Immigration: Blue Card Prozesse vereinfachen
  • Förderung: Umschulungsprogramme ausbauen
  • Digitalisierung: Verwaltung als Vorbild etablieren

Stimmen aus der Branche

“Die konjunkturelle Eintrübung verschafft uns nur eine Atempause. Der strukturelle Mangel bleibt bestehen.” — Ralf Wintergerst, Bitkom-Präsident

“Wir sehen eine Polarisierung: Top-Talente sind gefragter denn je, während Routine-Jobs verschwinden.” — Brancheninsider aus einem DAX-Konzern

Roadmap & Ausblick

Q3 2025: Erwartete Konjunktur-Erholung könnte Mangel verschärfen Q4 2025: Neue EU-Regelungen für Tech-Visa 2026: Erste KI-native Entwickler-Generation auf dem Markt 2027: Prognostizierter Höhepunkt des demografischen Wandels

Fazit

Der Rückgang von 149.000 auf 109.000 offene IT-Stellen täuscht über die wahre Herausforderung hinweg. Es handelt sich um eine konjunkturelle Verschnaufpause in einem strukturellen Problem. Die Kombination aus demografischem Wandel, steigendem Digitalisierungsbedarf und der KI-Revolution wird den Arbeitsmarkt fundamental verändern.

Die Botschaft ist klar: Wer heute in IT-Kompetenzen – besonders im KI-Bereich – investiert, sichert sich die Zukunft. Für Unternehmen heißt das: Umdenken beim Recruiting, Investitionen in Weiterbildung und neue Wege bei der Talentgewinnung.

Next Steps für Interessierte:

  1. KI-Skills aufbauen oder vertiefen (Prompt Engineering, ML-Ops)
  2. Netzwerk in der Tech-Community erweitern
  3. Kontinuierliche Weiterbildung als Standard etablieren

Die Zukunft des IT-Arbeitsmarktes hat bereits begonnen – gestalten wir sie aktiv mit! 🚀


Letzte Aktualisierung: 14. August 2025 Quellen: Bitkom-Studie 2025, t3n.de, Perplexity Research

Geschrieben von Robin Böhm am 14. August 2025