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Anthropic verschärft Sicherheitsrichtlinien: Neue Usage Policy für die AI-Ära

Anthropic führt strengere Kontrollen für Claude ein. Fokus auf Cybersicherheit, Agentenfunktionen und verantwortungsvolle AI-Nutzung.

Robin Böhm
23. August 2025
6 min read
#Ethics & AI #AI Governance #Claude #Cybersecurity #AI Safety
Anthropic verschärft Sicherheitsrichtlinien: Neue Usage Policy für die AI-Ära

TL;DR: Anthropic verschärft ab 15. September 2025 die Nutzungsrichtlinien für Claude. Fokus liegt auf verstärkter Kontrolle von Agentenfunktionen, Verbot von Cyberangriffen und erhöhten Transparenzanforderungen für sensible Anwendungen.

Anthropic, das Unternehmen hinter Claude, hat umfassende Änderungen seiner Usage Policy angekündigt, die am 15. September 2025 in Kraft treten. Die Überarbeitung reagiert auf die zunehmend mächtigen Fähigkeiten von KI-Systemen und die damit verbundenen Risiken – insbesondere im Bereich der agentenbasierten Funktionen.

Die wichtigsten Fakten

  • 📅 Inkrafttreten: 15. September 2025
  • 🔒 Fokus: Cybersicherheit und Agentenfunktionen (Claude Code, Computer Use)
  • 🎯 Zielgruppe: Alle Claude-Nutzer, besonders Entwickler und Unternehmen
  • 🛡️ Neue Regelung: Unified Harm Framework zur Risikoabwägung
  • 📊 Impact: Strengere Kontrollen bei sensiblen Anwendungsfällen

Was ist neu?

Die überarbeitete Usage Policy bringt fundamentale Änderungen in drei Kernbereichen:

Verschärfte Kontrolle von Agentenfunktionen

Cybersicherheit im Fokus

  • Aktivitäten zur Kompromittierung von Computern, Netzwerken oder kritischer Infrastruktur sind nun explizit verboten
  • Entwicklung von Schadsoftware oder Tools für Cyberangriffe untersagt
  • Ausnahme: Sicherheitsforschung mit ausdrücklicher Zustimmung der Systembetreiber bleibt erlaubt

Was hier wirklich passiert: Anthropic zieht klare Grenzen zwischen legitimer Sicherheitsforschung und potenziellem Missbrauch. Das ist besonders relevant für Features wie “Computer Use”, die theoretisch für automatisierte Angriffe missbraucht werden könnten.

Erhöhte Anforderungen für sensible Anwendungen

Neue Regeln für kritische Bereiche

  • Rechtliche Anwendungen
  • Finanzberatung und -entscheidungen
  • Beschäftigungsbezogene Entscheidungen (Einstellung, Kündigung)
  • Gesundheitswesen

Wichtige Einschränkung: Diese speziellen Anforderungen gelten nur für Anwendungen mit direktem Verbraucherkontakt, nicht für interne Unternehmensnutzung.

Das Unified Harm Framework

Anthropic führt ein mehrdimensionales Bewertungssystem ein:

SchadensdimensionBewertungskriterienBeispiele
PhysischKörperliche SchädenVerletzungen, Gesundheitsrisiken
PsychologischMentale AuswirkungenManipulation, Desinformation
WirtschaftlichFinanzielle SchädenBetrug, Marktmanipulation
GesellschaftlichSoziale AuswirkungenDiskriminierung, Polarisierung

Technische Details

Policy Vulnerability Tests

Anthropic arbeitet mit externen Experten zusammen, um:

  • Schwachstellen in KI-Systemen systematisch zu identifizieren
  • Umgehungsmöglichkeiten der Sicherheitsmechanismen zu testen
  • Kontinuierliche Verbesserungen der Safeguards zu entwickeln

Transparenzanforderungen

Für Organisationen gilt neu:

  • Offenlegungspflicht gegenüber Endnutzern über KI-Interaktionen
  • Klare Kennzeichnung KI-generierter Inhalte
  • Dokumentation der Sicherheitsmaßnahmen

Was bedeutet das für die Praxis?

Für Entwickler

  • Sorgfaltspflicht erhöht: Besonders bei Tools mit Systemzugriff
  • Dokumentation wichtiger: Verwendungszweck muss klar definiert sein
  • Testing verschärft: Sicherheitsaspekte müssen vor Release geprüft werden

Für Unternehmen

  • Compliance-Aufwand steigt: Neue Richtlinien müssen implementiert werden
  • Transparenz wird Pflicht: Kunden müssen über KI-Nutzung informiert werden
  • Strategische Überlegungen: Sensible Use Cases müssen neu bewertet werden

Stimmen aus der Community

Die Reaktionen der AI-Community sind gemischt. Während Sicherheitsexperten die Maßnahmen begrüßen, äußern einige Entwickler Bedenken über mögliche Innovationshemmnisse.

“Die neuen Richtlinien sind ein notwendiger Schritt in Richtung verantwortungsvoller AI-Entwicklung. Besonders die klare Trennung zwischen legitimer Sicherheitsforschung und Missbrauch ist wichtig.” — Security-Experte auf HackerNews

Einordnung im Marktkontext

Anthropics Vorstoß erfolgt in einem zunehmend regulierten Umfeld:

  • Die EU arbeitet an strengeren AI-Gesetzen
  • OpenAI und Google haben ähnliche Richtlinien verschärft
  • Der Druck auf verantwortungsvolle AI-Entwicklung wächst global

Verfügbarkeit & Implementation

  • Beta-Phase: Ausgewählte Enterprise-Kunden testen bereits
  • Vollständige Umsetzung: 15. September 2025
  • Grace Period: 30 Tage Übergangszeit für bestehende Anwendungen
  • Support: Dedizierte Compliance-Teams für Enterprise-Kunden

Fazit

Anthropics verschärfte Richtlinien markieren einen wichtigen Meilenstein in der Evolution von AI-Governance. Die Balance zwischen Innovation und Sicherheit wird zur zentralen Herausforderung der Branche. Während die neuen Regeln kurzfristig mehr Aufwand bedeuten, könnten sie langfristig das Vertrauen in AI-Systeme stärken.

Next Steps für Claude-Nutzer:

  1. Usage Policy bis 15. September durcharbeiten
  2. Bestehende Anwendungen auf Compliance prüfen
  3. Bei sensiblen Use Cases: Dokumentation und Transparenz sicherstellen
  4. Security-Features von Claude aktiv nutzen

Die AI-Landschaft wird erwachsener – und Anthropic geht mit gutem Beispiel voran. 🔒


Letzte Aktualisierung: 23. August 2025 Quellen: Anthropic Official Blog, The Verge, All About Security

Geschrieben von Robin Böhm am 23. August 2025